Genauso wie die USA ihren Waffenfetisch haben, hat Deutschland den Autofetisch.
Das Auto wird mit Freiheit und Wohlstand assoziiert.
Gleichzeitig ist der Autoverkehr (nach Stürzen und Suiziden) die dritthäufigste nicht natürliche Todesursache in Deutschland.
Alle 3 Stunden stirbt in Deutschland jemand durch Autos.
Würde jeden Monat ein voll besetzter Ferienflieger (A320/B737) in Deutschland abstürzen, würde dies immer noch weniger Tote verursachen, als der Autoverkehr. Der mediale Aufschrei wäre allerdings immens.
Beim Autoverkehr werden Todesfälle in einem Ausmaß hingenommen, der in so ziemlich allen anderen Fällen nicht hingenommen werden würde.
Dazu kommt noch die Luftverschmutzung und der Lärm, beides reduziert nachweislich ebenfalls die Lebenserwartung.
Darüberhinaus ist das Auto die ineffizienteste Möglichkeit, große Menschenmengen zu bewegen. Eine Buslinie mit Gelenkbussen im 10-Minuten-Takt hat beispielsweise bereits eine höhere Kapazität als eine Fahrspur Autos innerorts.
Des Weiteren ist die Instandhaltung der ganzen Straßen ein gewaltiger Posten in allen kommunalen Haushalten, demgegenüber steht kein einziger Cent Einnahmen: Es gibt in Deutschland nirgends eine City-Maut.
Ähnliches gilt ebenfalls für Parkplätze: Der Großteil ist gratis, der kleine Rest wird für meist 30-60 €/Jahr an die Anwohner verramscht.
Die ganzen Asphaltflächen sorgen dafür, dass sich die Städte im Sommer viel stärker aufheizen, im Herbst bei Starkregen kann das Wasser nicht versickern und Hochwasser/Überflutungen werden wahrscheinlicher.
Zusätzlich gibt es kein Verkehrsmittel, das noch weniger Menschen nutzen können:
- Man muss volljährig sein
- Man muss es sich leisten können (Führerschein, Autokauf, Versicherung, TÜV, Sprit, Reparaturen, etc.)
- Man muss körperlich dazu in der Lage sein, was viele Behinderte oder Alte ausschließt.
Trotz alledem liegt der Fokus der Verkehrsplanung weiterhin eindeutig auf dem Auto: Kein Verkehrsmittel bekommt für seine Infrastruktur mehr Steuergeld und kein Verkehrsmittel bekommt mehr Platz.
Wenn irgendwo zu wenig Platz für alle ist, gibt es zuerst keinen Radweg, dann keine Busspur (in manchen Städten auch andersrum) und zuletzt wird auch der Fußweg auf eine Mindestbreite zurechtgestutzt.
Erst wenn das alles nicht mehr reicht, muss auch das Auto leiden.
Es sollte ein komplettes Umdenken geben: Das Auto soll nicht mehr alles dominieren, sondern überall auf ein absolutes Minimum zurückgedrängt werden.
- Keine mehrspurigen Straßen mehr
- Sämtliche Nebenstraßen zu Einbahnstraßen (Fahrräder frei)
- Keinerlei kostenlose Parkplätze mehr, auch die Anwohnerparkausweise sollen mindestens 50 €/Monat kosten, in Innenstädten dürfen auch 200 €/Monat kein Tabu sein.
- Durchgangsverkehr komplett unterbinden: Von einem Stadtviertel soll man mit dem Auto ausschließlich erstmal zur nächstgelegenen Umgehungsstraße/Autobahn fahren müssen, dann um die Stadt rum und dort wieder rein. Dadurch sollen 2km-Strecken nicht mehr mit dem Auto gefahren werden.
- Baulich getrennte Radwege auf sämtlichen Straßen mit mehr als 100 Autos/Stunde im Berufsverkehr.
- Großflächige Entsiegelung und Begrünung zwecks Anpassung an Extremwetter.
- Ladezonen alle 50-100 m, damit der Wirtschaftsverkehr vernünftig parken kann und nicht mehr Rad-/Fußwege blockiert.